Forschungsschwerpunkte

Forschungsschwerpunkte des Kollegs


Was sind Kritische Infrastrukturen?

Das Bundesministerium des Innern (BMI) definiert Kritische Infrastrukturen, kurz: KRITIS, als „Organisationen und Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden.“ [1] Die Erforschung von KRITIS und vor allem die Entwicklung von Schutzstrategien hat sich in den letzten Jahren immer weiter entwickelt. Nach wie vor fehlt es aber an Grundlagenforschung – hier setzt die Forschungsarbeit unseres Graduiertenkollegs an und nimmt dabei insbesondere städtische Techniksysteme in den Blick.


KRITIS in der Stadt

Bei der Erforschung städtischer Techniksysteme geht es uns auch um die Wechselwirkungen von Technik und (Stadt)Gesellschaften in Geschichte und Gegenwart. Wir fragen nach den technischen und damit verbundenen politischen, sozialen und kulturellen Aspekten städtischer Sicherheit. Im Mittelpunkt stehen Systeme der Ver- und Entsorgung, der Kommunikation und des Transports, die zum Nervensystem moderner Städte geworden sind und deren Störung dramatische Krisen auslösen kann. Nicht nur externe Gefahren (wie z.B. Naturkatastrophen, Terroranschläge und Cyberattacks) bedrohen städtische Infrastrukturen, sondern auch die wachsende Komplexität und Vernetzung der Systeme selbst birgt Risiken. Grundannahme des Kollegs ist, dass Kritische Infrastrukturen sowohl in zeitlicher wie auch räumlicher Hinsicht stark kontextabhängig und zugleich in multiple räumliche und zeitliche Beziehungen eingebunden sind. Das Ziel unserer Forschung ist es, diese komplexen Systeme in ihren räumlichen und zeitlichen Zusammenhängen zu verstehen und zu erklären sowie Praktiken der Planung, der Vermeidung von Funktionsunterbrechungen bzw. der Vorbereitung auf Krisen zu analysieren.


Unsere KRITIS-Forschung orientiert sich an drei Leitfragen:

  • Welche Infrastrukturen werden als „kritisch“ identifiziert und warum?
  • Welche Funktionskrisen und Bedrohungslagen der Systeme sind festzustellen?
  • Wie schützt die Gesellschaft sich und ihre Infrastrukturen?

Aus diesen Fragen ergeben sich drei Forschungsschwerpunkte, die mit eigenen Leitfragen versehen sind und jeweils auf ein interdisziplinär anwendbares Brückenkonzept oder Konzeptpaar bezogen werden:


1. Konstruktion Kritischer Infrastrukturen

Wir wollen die Konstruktion der Kritikalität technischer Infrastrukturen in den Blick nehmen. Wir fragen danach, welche technischen Funktionsnotwendigkeiten und sozialen und politischen Zuschreibungen relevant sind und inwieweit diese je nach historischem – d.h. zeitlich – und räumlichem Kontext variieren.

2. Funktionskrisen Kritischer Infrastrukturen

Wir gehen davon aus, dass die komplexen räumlichen und zeitlichen Arrangements bei infrastrukturellen Funktionskrisen besonders gut erkennbar werden. Wir untersuchen daher Ausfälle von städtischen Infrastrukturen einschließlich der Bedingungen ihrer Vulnerabilität oder Resilienz.

3. Strategien zum Schutz Kritischer Infrastrukturen

Schließlich fragen wir danach, wie der Schutz vor und die Vorbereitung auf infrastrukturelle Funktionskrisen organisiert werden oder werden können (Prevention und Preparedness). Welchen räumlichen und zeitlichen Faktoren tragen sie Rechnung?


Die Forschung im GRK ist interdisziplinär angelegt und erfolgt durch Zusammenarbeit folgender Fächer:


[1] Aus der Broschüre „Nationale Strategie zum Schutz Kritischer Infrastrukturen (KRITIS-Strategie)“ des Bundesministeriums des Innern, http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2009/kritis.html, Stand 05.11.2016)